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Was ist nun von diesen Aussagen zu halten?
Um diese Frage beantworten zu können, muss man wissen, dass sich die beiden angesprochenen Bakterienstämme nur bilden und vermehren können, wenn ausreichend Nahrung, sprich ausreichend Ammonium und Nitrit vorhanden sind. Ohne Nahrung findet keine Vermehrung statt.
Was bringt es mir also, wenn ich wie unter 1. vorgeschlagen, das Becken stehen lasse? Wo kommen die Nährstoffe für die Bakterien her, mit deren Hilfe sie sich vermehren sollen? In diesem Zusammenhang liest man sehr oft in Foren, dass der Betreffende sich wundert, dass nach 3 Wochen immer noch kein Nitritpeak eingetreten ist. Verwundert uns das? Schlimmer noch, nach den vorgeschlagenen 4 Wochen werden die Fische gekauft, den Hinweis, die Fische nur nach und nach einzusetzen hat man überlesen oder der Händler hat einen zum Kauf einer größeren Anzahl an Fischen überredet, und es folgt der Hilfeschrei im Forum, dass nun plötzlich ein erheblicher Nitritanstieg zu verzeichnen sei und einige Fische sogar über Nacht gestorben sind. Verwundert uns das? Mich nicht wirklich.
Nun gibt es ja noch die unter 2. genannten „Bakterienstarter“. Hierbei handelt es sich um kleine Fläschchen aus dem Zoohandel, die mangels Inhaltsangaben eine geheimnisvolle Flüssigkeit enthalten, die das Einfahren eines Beckens unnötig machen sollen und einen Fischbesatz nach 24 Stunden versprechen. Ich kann leider nicht prüfen, was in den Fläschchen drin ist, aus diesem Grund kann ich auch nicht beurteilen, wie wirkungsvoll diese Mittelchen sind. Wenn wir aber davon ausgehen, dass dort lebende oder ruhende Bakterienkulturen drin sind, dann wäre es sogar Pflicht nach kurzer Zeit die ersten Fische einzusetzen, denn ansonsten würde man wahrscheinlich Gefahr laufen, dass die teuer erworbenen Bakterien wieder absterben, weil sie keine Nahrung finden. Oder sehe ich das falsch?
Ich persönlich benutze diese „Starter“ höchst selten. Mit Sicherheit sagen kann ich aber, dass sie zumindest nicht schädlich sind. Gefährlich wird es nur, wenn ich den Erstbesatz schlagartig hochfahre, denn wer kann schon einschätzen, wie viele Bakterien der Starter nun eingebracht hat.
Ich springe jetzt mal zu Aussage 5.
Dieser Tipp ist in meinen Augen einer der besten und praktikabelsten, weil er zum Einen nichts kostet und zum Anderen wirklich eine entsprechend große Menge an Bakterien übertragen werden. Da dieser Tipp aber oft in Verbindung mit Nr. 1 gebracht wird, muss ich die Frage stellen, ob wir nicht auch hier vor dem Problem stehen würden, dass die „angeimpfte“ Kultur wieder absterben würde, wenn wir nicht bald die ersten Tiere einsetzen?
Die mit dieser Methode oft verbundene Sorge, sich mit dem Mulm, besonders dann, wenn er z. B. aus dem Becken eines Freundes stammt, Algen oder Krankheiten in das neue Becken einzuschleppen, würde ich auch als relativ unbegründet bezeichnen, denn um Algensporen kommt man ohnehin nicht umhin, egal was man macht, und Krankheitskeime aller Arten sind überall vorhanden, werden von den Fischen mitgebracht, die man kauft oder werden mit dem Käscher von Becken zu Becken getragen, also kann man sich die Sorge auch ersparen. Unter vernünftigen Bedingungen gehaltene Tiere werden nur in seltensten Fällen krank, egal ob da nun ein paar Keime mit dem Mulm mitkommen oder nicht. Es versteht sich natürlich von selbst, dass man den Mulm nicht grad aus einem „verseuchten“ Becken nehmen sollte.
Interessant ist Aussage Nr. 4.
Diese Aussage zu bewerten bedarf es eigentlich einer wissenschaftlichen Betrachtungsweise, zu der ich mich nicht imstande fühle, aber ich versuche es mal auf meine Weise.
Um eine Ausgangsposition zu haben, habe ich ein durchschnittliches Blatt einer Anubias barteri abgeschnitten und bin mit ihm zu einer Apotheke gefahren, um dort sein Gewicht feststellen zu lassen, denn ich besitze keine Feinwaage und wollte mir dafür auch keine kaufen, denn die Dinger sind mit Sicherheit nicht ganz billig. Man war dort auch sofort bereit mir zu helfen und ermittelte für das Blatt ein Gewicht von 1,57 Gramm. Da wir Ammonium und Nitrit im Aquarium bekanntlich immer in mg/l messen, sind es dann umgerechnet 1.570 mg.
Auf Nachfrage bei einem Biologen wurde mir gesagt, dass lebendes Pflanzenmaterial zu 95 - 98 % aus Wasser bestünde. Für meine Rechnung habe ich mich dann auf 95 % festgelegt. Weiterhin wurde mir gesagt, dass von den verbleibenden Feststoffen ca. 1/4 Stickstoffverbindungen seien. O.k., damit können wir etwas anfangen. Dass die Feststoffe möglicherweise leichter oder schwerer sind als Wasser, können wir hier wohl getrost vernachlässigen. Also schauen wir mal:
Gewicht des Blattes = 1.570 mg
abzüglich 95 % Wasser = 78,5 mg feste Stoffe
davon ca. 25 % Stickstoffverbindungen = 19,7 mg
macht bei einem 100-Liter-Becken = 0,2 mg/l Stickstoffverbindungen .
Da Nitrit als gefährlichstes Stoffwechselendprodukt im Aquarium erst ab 0,4 mg/l wirklich interessant wird (den Gewichtsunterschied zwischen den Stickstoffverbindungen in der lebenden Pflanze, Ammonium und Nitrit können wir wohl auch getrost vernachlässigen) und unter dem wohl kaum von einem Nitritpeak gesprochen werden kann, zudem sich bei zu geringer Nitritbelastung keine ausreichende Population an Nitrifikanten bildet, müssten nach dieser Rechnung mindestens 3 dieser Blätter verrotten, um wirklich einigermaßen effektiv zu sein. Außerdem müssten diese Blätter schlagartig verrotten und nicht wie üblich über einen Zeitraum von mehreren Tagen oder gar Wochen, um irgendeinen Effekt zu erreichen. Und selbst wenn dies so wäre, dann würde der Nitritpeak bei maximal 0,6 mg/l liegen. Ob man dabei schon von einem effektiven "Einfahren" sprechen kann, wage ich zu bezweifeln. Zudem müssten dann am nächsten Tag wiederum 3 Blätter schlagartig verrotten, weil wenn diese 0,6 mg/l aufgebraucht sind, was erfahrungsgemäß nicht sehr lange dauert, würde die Population an Nitrospira wieder absterben.
So... , nun können sie entscheiden, ob Ihnen mein Rechenbeispiel gefällt oder nicht und was von der Aussage zu halten ist.
Man könnte dies auch noch für Variante 3 durchrechnen, aber dafür fehlen mir leider die nötigen Zahlen.
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